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 Familientreff FUnKE | Familienhebammenprojekt Neustadt

 


Kinderhaus am Pinnasberg e.V.
Pinnasberg 74
20359 Hamburg

Tel: 040 - 31 79 39 81
info@kinderhausampinnasberg.de

 

Wieso ein Kinderhaus in St. Pauli?

... fragten sich anfangs viele, als 1990 der Verein Kinderhaus am Pinnasberg e.V. gegründet wurde. Es sollte ein Kinderheim für Kinder aus St. Pauli eröffnet werden. Nicht im Grünen, sondern mitten in St. Pauli – trotz und wegen der ganzen Probleme in diesem Stadtteil, wie Armut, Gewalt und Sucht – um nur einige zu nennen. Die Gründerinnen und Gründer des Vereins, MitarbeiterInnen der Schule, der Kirche, der Gemeinwesenarbeit, des Nachbarschaftsheimes, des Kindertagesheimes und AnwohnerInnen sahen schon lange, dass die Kinder unter den Schwierigkeiten hier am meisten zu leiden hatten.

In manchen Familien waren die Probleme so übermächtig, dass die Kinder dort nicht weiter leben konnten. Sie sollten jedoch in der Nähe ihrer Eltern bleiben und ihre vertraute Umgebung, FreundInnen und LehrerInnen nicht verlieren. Auf dieser Grundlage sollte daran gearbeitet werden, perspektivisch wieder als Familie zusammenleben zu können.

Im Oktober 1994 war es dann soweit: Das Kinderhaus wurde in den oberen 4 Stockwerken eines Neubaus am Pinnasberg für 11 Kinder eröffnet. Viele Kinder warteten schon darauf, endlich in das Kinderhaus einziehen zu können. Die meisten waren in den anderen Einrichtungen des Stadtteils bekannt und die Probleme drängten auf eine Lösung. Alle Kinder kamen aus der direkten Nachbarschaft – mit verschiedenen Nationalitäten, Wünschen und Sorgen.


In einem ganz normalen Mietshaus?
In den unteren Etagen des fünfgeschossigen Hauses leben Familien mit Kindern oder Wohngemeinschaften. Die oberen Etagen sind auf die Bedürfnisse eines Kinderhauses zugeschnitten. Unter dem Dach ist ein großes Wohnzimmer und ein weiträumiger Ess- und Aufenthaltsraum, zum Spielen, Toben, Malen, Fernsehen, gemeinsamen Abendessen oder um Freunde zu empfangen. In der anliegenden Küche wird gemeinsam für alle gekocht. Ein Stockwerk tiefer hat jedes Kind sein eigenes Zimmer. Zusätzlich gibt es einen Computer- und Hausaufgabenraum, in dem die Kinder und Jugendlichen unter Anleitung am PC arbeiten oder in Ruhe ihre Hausaufgaben erledigen können.

Dass der Bewegungsdrang und Lautstärkepegel der Kinderhaus-Kinder gelegentlich mit dem Ruhebedürfnis der NachbarInnen im Haus kollidiert, lässt sich nicht immer vermeiden. Die Reibungen sind jedoch geringer als erwartet. Konflikte mit den anderen HausbewohnerInnen werden umgehend geklärt. Die Kinder und Jugendlichen lernen so, sich in eine „normale“ Hausgemeinschaft zu integrieren.


Erste Entwicklungen
In den ersten Jahren zeigte sich, dass nicht alle Kinder in ihre Familien zurückkehren konnten. So wurde die unterste Wohnung zur Jugendwohngruppe umgestaltet, in der inzwischen drei Jugendliche leben. Sie werden hier schrittweise auf ein eigenständiges Leben vorbereitet. Die Jugendlichen lernen zu kochen, sich ihr Geld über den Monat einzuteilen, selbstständig zur Schule/ Ausbildung zu gehen usw.. Mit 18 Jahren sollten sie dann in einer eigenen Wohnung leben, wo sie nach Bedarf von uns weiter betreut werden.


Aktuelles Angebot
Aktuell bietet das Kinderhaus 10 Kindern im schulpflichtigen Alter und 2 Jugendlichen ab 14 Jahren in der Jugendwohngruppe ein Zuhause. Die Kinder und Jugendlichen werden von 8 PädagogInnen rund-um-die-Uhr betreut. Wir arbeiten im Schichtdienst, nachmittags und abends mindestens mit zwei PädagogInnen. Der Alltag in der Jugendwohngruppe wird zusätzlich von den beiden zuständigen KollegInnen gestaltet. Über den Stellenschlüssel des Pflegesatzes hinaus finanzieren wir über Spenden täglich eine zweistündige Schulförderung durch eine Lehramtsstudentin.

Um die Jugendlichen später noch im eigenen Wohnraum zu betreuen oder die Rückkehr eines Kindes in die Familie zu begleiten, bieten wir offene Angebote für die Eltern und ambulante Hilfen (n. §§ 30 und 31 SGB VIII) an. Mit der rechtzeitigen Betreuung in der Familie kann im Einzelfall auch die Unterbringung im Kinderhaus vermieden werden.


Was bedeutet eigentlich „milieunah“?
Das Leitbild unserer pädagogischen Arbeit beschreiben wir gern mit dem Adjektiv „milieunah“. Hinter dieser vieldeutigen Beschreibung verbergen sich einige grundsätzliche Auffassungen:

Die Schwierigkeiten eines Kindes/ Jugendlichen, die eine Erziehung außerhalb der Familie nahe legen, lassen sich nicht von dem Ort ihrer Entstehung trennen. Kinder leiden nicht an isolierten Symptomen, die sich einzeln in Spezialeinrichtungen beheben lassen. Auffälliges Verhalten, das sie bspw. in der Schule untragbar macht, ist die Folge schädigender Beziehungen und Interaktionen am Lebensort. Die Schwierigkeiten lassen sich nur vor dem Hintergrund des Milieus, der vielfältigen positiven und belastenden Bezüge, in dem das einzelne Kind steht und aufgewachsen ist, verstehen. So läßt sich ein gezieltes, auf das einzelne Kind abgestimmtes pädagogisches Konzept entwickeln.

Die Herausnahme von Kindern aus ihrem Milieu führt anfangs oft zu den gewünschten Verhaltensänderungen, die Schwierigkeiten treten jedoch meist erneut auf, wenn sie ihren Lebensort wieder aufsuchen. Sobald sie in ihre Familie zurückkehren, aus dem Heim ausreißen oder im Erwachsenenalter in den Stadtteil zurückkehren, werden sie mit den gleichen Problemen konfrontiert, die zur Unterbringung im Heim geführt haben.

Die Aufnahme im Kinderhaus bedeutet für die betroffenen Kinder auch, dass ihnen die lebenswichtigen Bezüge zu ihrer Familie, Freunden, der Schule und dem Stadtteil erhalten bleiben. Die Beziehungen, die vor der Aufnahme für die Kinder bedeutsam waren, bleiben im Alltag bestehen. Wir wollen die Kinder aus ihren belasteten Bezügen für eine Zeitlang herausnehmen, ohne dass die positiven Beziehungen abgebrochen werden.
Obwohl wir eine stationäre Hilfe anbieten, können und wollen wir die Eltern nicht ersetzen. Wir nehmen – im Einzelfall sehr unterschiedliche – Teile der Erziehungsverantwortung wahr.


Elternarbeit
Indem wir zentrale Elternaufgaben, wie das Erledigen der Schularbeiten, Wecken, Streiten um Ausgehzeiten etc., übernehmen, bieten wir den Rahmen, in dem sich Eltern und Kinder wieder konfliktfreier begegnen können. So kann Schritt für Schritt eine vertrauensvollere Eltern-Kind-Beziehung aufgebaut werden. Auf dieser Basis können wir anschließend Teile der Verantwortung für ihr Kind an die Eltern zurückgeben.

Diesen Prozess der schrittweisen Wiederannäherung versuchen wir partnerschaftlich zu unterstützen. Wir respektieren die Lebenslage der Familien und versuchen ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Eltern aufzubauen. Dazu ist es erst einmal notwendig, sie trotz ihrer Fehler zu akzeptieren und ihnen das Gefühl zu nehmen, „Rabeneltern“ zu sein.

Aufgrund der nachbarschaftlichen Nähe treffen wir die Eltern ohnehin beim Einkaufen, vor der Schule oder bei Unternehmungen mit den Kindern. Darüber hinaus sind jedoch die regelmäßigen Elterngespräche wichtig, in denen die Besuche organisiert, Veränderungen im Kinderhaus oder im Verhalten der Kinder besprochen werden. Alle wesentlichen Informationen bzgl. Gesundheit, Schule o.ä. werden an die Eltern weitergegeben, wichtige Entscheidungen für die Kinder werden gemeinsam getroffen. In den Elterngesprächen geben wir zudem Anregungen für den Umgang mit ihren Kindern und die Eltern können auch Kritik an unserer Arbeit äußern. Diese Gespräche führen die beiden BezugsbetreuerInnen des Kindes als feste Ansprechpartner.

Trotz aller partnerschaftlicher Bemühungen entstehen auch Situationen, in denen wir sehr deutlich Missstände ansprechen. Wenn das Wohlergehen der Kinder durch das Verhalten der Eltern gefährdet ist, scheuen wir nicht den Konflikt. In Einzelfällen kann dann auch eine Einschränkung des Kontaktes für einen begrenzten Zeitraum sinnvoll sein. Ziel unserer Arbeit ist in jedem Fall – unabhängig davon, ob eine Rückführung erreicht wird – eine Klärung der Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Für diese gemeinsame und freiwillige Arbeit müssen sich alle Beteiligten immer wieder neu entscheiden.

Aufbauend auf den positiven Erfahrungen, die sich so neu entwickeln, können die Eltern wieder Stück für Stück mehr Alltagsverantwortung übernehmen. Die in den meisten Fällen angestrebte Rückführung der Kinder in ihre Herkunftsfamilie wird langfristig geplant und schrittweise umgesetzt bis die Eltern wieder in der Lage sind, die volle Verantwortung zu tragen.


„ Elternarbeit“ wie wir sie verstehen, betrifft nicht nur die biologischen Eltern, sondern alle, die im Einzelfall großen Einfluss auf das Kindeswohl haben. Das können Verwandte und Freunde sein, ebenso wie der neue Partner.


Integration in den Stadtteil
Wir möchten, dass die Kinder eigene Interessen entwickeln und feste Freizeitangebote außerhalb des Kinderhauses wahrnehmen. Fast alle Kinder, die wir aufnehmen, sind aus den Regelangeboten der anderen Institutionen herausgefallen. Sie müssen erst mühsam lernen, sich wieder in Gruppen zu bewegen, beim Fußball im Altonaer Turnverein, der Mädchengruppe der Gemeinwesenarbeit St. Pauli Süd oder den Angeboten des Jugendhauses der Kirche.

Da sie dies in aller Regel nicht allein schaffen, brauchen sie unsere Unterstützung: in Form von Begleitung und Motivation, aber auch in Form von Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen. So findet bspw. im Sozialraumteam ein regelmäßiger Austausch der Einrichtungen in der direkten Nachbarschaft statt, der Stadtteilschule am Hafen, der GWA, des Jugendhauses der Kirche, des Nachbarschaftsheimes und weiteren Institurionen. Hier erhalten wir einen Überblick über die Angebote und besprechen die Schwierigkeiten einzelner Kinder und Jugendlicher, um sie dauerhaft in die Angebote einzubinden.

Die enge Zusammenarbeit mit den KollegInnen im Stadtteil ermöglicht ein rechtzeitiges Einschreiten in Krisensituationen. Die Einbeziehung der anderen Einrichtungen ist auch für die Rückführung in die Familie förderlich. Die sozialen Strukturen außerhalb des Elternhauses geben den Kindern Halt, wenn alte Probleme wiederkehren.


Der Alltag im Kinderhaus
Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Alltag. Die verbindliche Tagesstruktur und der feste Wochenplan geben den Kindern und Jugendlichen ein Gerüst, um die Anforderungen des Alltags zu bewältigen, schafft Raum für ihre Wünsche und Bedürfnisse, sichert ihre Rechte und bietet Orte für die Auseinandersetzung. Der Alltag ist für uns das pädagogische Feld, in dem wir den Kindern neue Erfahrungen ermöglichen und positive Verhaltensänderungen bewirken können.

Die Kinder, die wir im Kinderhaus aufnehmen, kannten oft keinen verbindlichen Alltag. Sie wussten morgens nicht was nachmittags geschieht, oft war es unwichtig, ob sie zur Schule gingen oder nicht.

Grundsätzlich gilt: alle Kinder und Jugendlichen gehen von montags bis freitags zur Schule oder zur Ausbildung/ Arbeit. Nur triftige Gründe, wie z.B. Krankheit, gelten als Entschuldigung. Alle Kinder werden rechtzeitig geweckt, damit sie den Tag in Ruhe beginnen. Nach der Morgentoilette wird gemeinsam gefrühstückt und das Pausenbrot zubereitet.

Die Jugendlichen frühstücken selbst in der Jugendwohngruppe. Es wird aber kontrolliert, ob sie rechtzeitig aufstehen und das Haus verlassen.

Nach der Schule kommen alle Kinder in das Kinderhaus. Wir essen zusammen und sprechen über die Schule und den Tagesverlauf. Danach werden von montags bis donnerstags mit der Hausaufgabenhilfe schulische Grundlagen geübt und die Wochenpläne der Schule bearbeitet.

Alle Kinder sollen einem festen Hobby ihrer Wahl nachgehen, so dass am Nachmittag noch für einige das Fußballtraining, die Mädchengruppe oder Breakdance auf dem Programm steht. Oft gibt es auch noch Arzttermine oder Therapeutenbesuche, die wir begleiten. Am Nachmittag kommen Freunde zu Besuch, es wird gemeinsam gespielt oder jede/r verbringt den Nachmittag wie er/ sie möchte.

Kurz vor dem warmen Abendessen um 19.00 Uhr müssen die Freunde gegangen und alle Kinder und Jugendlichen wieder im Haus sein. Das Abendbrot ist der Zeitpunkt am Tag, an dem sich alle gemeinsam treffen. Die Mahlzeit verläuft nach festen Regeln (Händewaschen, warten bis jede/r seinen Teller gefüllt hat, nicht alle gleichzeitig reden usw.), die helfen, eine entspannte Atmosphäre zum Plaudern, Spaßmachen und für das Gruppengespräch zu schaffen.

Die meisten Kinder müssen erst lernen, in Ruhe, sitzend und bewusst Nahrung aufzunehmen. Nach dem Essen gibt es noch kleine Pflichten für jede/n wie Tischdienst, feste Duschtage, Wäsche in den Schrank sortieren usw., je nach Wochentag. Dann wird gemeinsam gespielt, manchmal auch ferngesehen und die ersten Kinder werden in ihr Bett gebracht. Dies geschieht zu festen altersgemäßen Zeiten. Jede/r hat so die Möglichkeit noch einmal ganz allein mit dem/r Betreuer/in zu sprechen, eine Geschichte vorgelesen oder eine Massage zu bekommen.

Neben den allgemein festgelegten altersgemäßen Rechten und Pflichten gibt es natürlich individuelle Regeln für jedes einzelne Kind und jeden Jugendlichen. Diese werden entsprechend der jeweiligen Fähigkeiten und Bedürfnisse festgelegt.


Kinderrat
Damit die Kinder und Jugendlichen lernen, dass man seinen Alltag mitgestalten kann, findet jede Woche am Dienstag der Kinderrat statt (in der Jugendwohngruppe am Mittwoch). Der Kinderrat ist ein soziales Lernfeld, in dem die Kinder und Jugendlichen üben, ihre Anliegen zu verbalisieren und sich mit Kritik auseinander zu setzen. Hier werden Anregungen und Wünsche der Kinder und Jugendlichen besprochen. Dies betrifft Gruppenregeln, Streit untereinander, Kritik an KollegInnen oder das nächste Urlaubsziel. Die Treffen werden protokolliert und die Ergebnisse am nächsten Tag in der Teamsitzung besprochen, wo über die Anliegen zugleich entschieden wird.

So erfahren die Kinder und Jugendlichen, dass sich die Erwachsenen mit ihren Vorschlägen auseinandersetzen. Auch wenn letztlich wir als Verantwortliche entscheiden, lernen die Kinder und Jugendlichen, dass ihre Anregungen und Vorstellungen – in Worten zum Ausdruck gebracht - zu Veränderungen führen.


Kinderhaus- und Elternwochenende
Am Freitag nach der Schule räumen die Kinder ihre Zimmer auf und erhalten ihr wöchentliches Taschengeld. Immer abwechselnd heißt es dann Eltern- oder Kinderhauswochenende. An den Elternwochenenden gehen sie – wenn dies möglich ist – zu ihren Eltern oder anderen nahestehenden Verwandten. An den Kinderhauswochenenden bleiben alle hier. Dann unternehmen wir mit der ganzen Gruppe Ausflüge, es wird gebastelt, getöpfert oder ins Kino gegangen. Diese Aktivitäten sind verpflichtend, da sich so die Gruppe als Ganze einigen muss, auf Einzelne Rücksicht genommen wird und alle miteinander Spaß haben, wenn jede/r mitmacht und Kompromisse eingeht.

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